Schweizerische Vereinigung für Wiederkäuergesundheit
Association Suisse pour la Santé des Ruminants

Signalement

Kalb; Braunvieh; weiblich; 7 Wochen alt

Anamnese

Das Kalb befand sich seit der unkomplizierten Geburt in gutem Allgemeinzustand und bei guter Sauglust. Der Besitzer bemerkte einige Zeit nach der Geburt eine Vergrösserung resp. vor allem Verlängerung des äusseren Nabels, welche für ihn palpatorisch aber nicht mit einer Nabelentzündung im Zusammenhang stand. Der Tierarzt wurde erst konsultiert, als das Kalb eines Abends Koliksymptome zeigte, d.h. mit den Beinen nach dem Bauch schlug. Der äussere Nabel hatte zu diesem Zeitpunkt eine augenfälllige Grösse resp. Länge angenommen und fühlte sich sehr prall an.

Klinische Untersuchungsbefunde

T 38.7°C; HF 96
Guter Allgemeinzustand, lebhaft, gute Sauglust. Trippelt und schlägt mit Hinterbeinen gegen den Bauch. Turgor normal, Haut und Haarkleid obB., Schleimhäute und Skleren unauffällig, Herz- und Lungenauskultation ohne besondere Befunde. Abdomen locker, Darmperistaltik vorhanden, Schwing-und Perkussionsauskultation beidseits negativ. Kotabsatz vorhanden, Harnabsatz vorhanden, unauffällig. Kot von normaler Konsistenz. Harn grobsinnlich unauffällig. Gelenke trocken.
Äusserer Nabel zapfenartig vorstehend, ca. 15 cm lang, keine Nabelstrukturen palpierbar, sondern nur sehr pralles längliches „Säckchen". Nabelbasis unauffällig, Nabelpforte mit Durchmesser von ca. 2 cm (Abb. 1). Der Inhalt des äusseren Nabels kann auch bei auf dem Rücken liegenden Patienten nicht ins Abdomen zurückverlagert werden.

Abbildung 1: Darstellung des äusseren Nabels bei einem 5 Wochen alten Kalb mit Koliksymptomen

  • Welches ist Ihre Verdachtsdiagnose und welches sind Ihre Differentialdiagnosen?
  • Welche Zusatzuntersuchungen führen Sie durch, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen?
  • Welche Behandlung schlagen Sie vor?

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Autoren:
Dr.med.vet. FVH (Wiederkäuer) Dipl. ECBHM Christine Kaufmann
Dr.med.vet. FVH (Wiederkäuer) Maurizio Gianini, 6749 Sobrio